• Treptow Ateliers

Diverse Französische Portale übernehmen AFP-Artikel über Treptow-Ateliers [Update]

Aktualisiert: 5. Juli 2019



Diverse französische Portale wie z.B. TV5Monde, Capital.fr, Bourse Direct oder auch die französische Seite von arte haben einen Reportage der französischen Nachrichtenagentur AFP übernommen, in dem über die aktuelle Situation der Treptow Ateliers und über die schwierige Lage für Künstler in ganz Berlin berichtet wird.


Update: Neben weiteren französischen Portalen (France24, la Croix) berichtet jetzt auch die englischsprachige Presse über unser Atelierhaus (die Lifestyleseite des Inquirer, thelocal.de), darunter sogar eine News-Seite aus Pakistan: Daily Times.

Und auch auf Spanisch kann man mittlerweile über uns lesen: rfi español


Hier eine deutsche Übersetzung des auf Französisch verfassten Artikels:


In Berlin, wo die Mieten explodieren, kämpfen Künstler gegen die Vertreibung


In den Gängen der Treptow Ateliers, einem der Künstlerh.user das Berlin berühmt gemacht hat, herrscht Unsicherheit: Den rund dreißig Malern, Fotografen und anderen kreativen Seelen droht im Kontext der Wohnungskrise die Vertreibung.


Vor dem Gebäude werden Kreuze wie auf einem Friedhof ins Gras gepflanzt, durchgestrichen mit den Worten "Abriss" oder "Vertreibung": eine Initiative der Mieter, denen angeordnet wurde, diese ehemalige Fabrik im Bezirk Treptow im Osten Berlins bis März 2020 zu verlassen. Das Gebäude muss dem Bau eines fünfgeschossigen Gebäudekomplexes weichen.


Rund 350 Künstlerateliers schließen jedes Jahr in der deutschen Hauptstadt unter Immobiliendruck, so der Berufsverband der Bildenden Künstler Berlin (BBK). Viele glauben, dass dieses Verschwinden Berlin bereits seine unkonventionelle, trendige und fröhliche Identität gekostet hat, die mit seinem Status als europäische Hauptstadt der alternativen Kulturen einhergeht.


Viele symbolische Stätten, häufig Häuser die nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 gegründet wurden, sind verschwunden, wie das berühmte Tacheles, welches 2012 geschlossen wurde und zu Luxuswohnungen und einem Hotel werden soll.


"Keine Diskussion"


Berlin ist zwar im Vergleich zu anderen westlichen Hauptstädten eine relativ erschwingliche Stadt, hat aber dennoch einen Boom auf dem Immobilienmarkt erlebt, der zu einer Verdoppelung der Mieten in zehn Jahren und einer Krise beim Zugang zu Mietwohnungen geführt hat.


Denn die Stadtregierung von Berlin hat es nicht geschafft, das Angebot anzupassen oder zu fördern, um die 50.000 Menschen, die sich jedes Jahr dort niederlassen, zufrieden zu stellen.


Der Eigentümer des Treptower Ateliergebäudes, Peter Ottmann, Architekt aus München, sagt er wolle die Künstler nicht vertreiben: Er wolle neben rund dreißig Wohnungen und einer Krippe auf 4.500 Quadratmetern neue Werkstätten bauen.


Die jetzigen Mieter prangern das Manöver an: Sie haben keine Garantie dafür, dass sie bleiben können und weisen darauf hin, dass die Renovierung zu höheren Preisen und Gentrifizierung führen wird, während Berlin versucht, dieses Phänomen einzudämmen, indem es die Mieten für fünf Jahre ab 2020 einfriert.


"Es gab keine Diskussion über den Wiederaufbau. Er informierte uns, dass wir unsere Namen auf die Warteliste setzen könnten, um diese Studios zu bekommen... Auf dieser Liste zu stehen bedeutet, zu akzeptieren, dass man ausgestoßen wird, nicht zu kämpfen", sagt Lydia Paasche, eine 41-jährige deutsche Künstlerin.


Ersetzte Künstler


Der Geruch von frischer Farbe kommt aus Lorcan O'Byrne's Atelier. Der 58-jährige irische Künstler befürchtet, dass die Gemeinschaft, die sich in den letzten sieben Jahren um die Treptow Ateliers gebildet hat, verschwinden wird.


"Seit unserer Ankunft im Jahr 2012 haben wir eine echte Atmosphäre rund um die Kunst geschaffen. Es gibt viel Freundschaft zwischen uns, aber auch kritisches Denken", sagt er. Lorcan O'Byrne lebt seit den 1980er Jahren in Berlin, damals noch durch die Mauer geteilt, und hat die Umbrüche in der Berliner Kunstlandschaft miterlebt.


Die Zeiten, in denen David Bowie, Iggy Pop oder Nick Cave ab Ende der 70er Jahre dort ihre künstlerische Erneuerung fanden, scheinen mehr denn je vorbei zu sein. "Es gab überall Clubs, besetzte Häuser, Kunststätten. Aber die Geschichte Berlins hat diese Stadt bei ausländischen Investoren 'trendy' gemacht."


"Das Paradoxon ist, dass die Neuankömmlinge, die für ihre 'künstlerische' Seite nach Berlin gekommen sind, den Platz der kulturellen Orte eingenommen haben, die sie angezogen hatten“, behauptet der Künstler.


Der Inhaber Peter Ottmann weist die Vorwürfe der Künstler zurück. "Ich verstehe, dass Mieter gewechselt werden können. Aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass das zukünftige Projekt Platz für 175 Personen bieten wird, 150 mehr als heute."


Eine Million ungenutzte m²


Die Hälfte der rund 8.000 vom Berufsverband der Bildenden Künstler Berlins in der Stadt registrierten Künstler befürchtet mittelfristig den Verlust ihrer Ateliers."Die Spirale der gewerblichen Vermietung kehrt sich rasant um und sorgt für das Verschwinden einer Vielzahl von Kunsträumen", räumte Berlins Kultusminister Klaus Lederer gegenüber der Berliner Zeitung ein. "Wir waren nicht darauf vorbereitet. Wir hätten schon vor sieben bis zehn Jahren mit der Planung von Maßnahmen beginnen sollen."


Was die Treptow Ateliers betrifft wurden die gewählten Vertreter Berlins aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. "Es gibt mehr als eine Million Quadratmeter ungenutzte Fläche in staatlichen Immobilien. Wir möchten, dass dieser öffentliche Raum für lokale Künstlerinnen und Künstler bestimmt ist", sagt Lydia Paasche.


"Wir setzen uns nicht nur für unsere Sache ein, sondern für alle Künstler in Schwierigkeiten."


Von Antoine BELHASSEN, AFP