Treptow Ateliers

… und der Letzte macht das Licht aus

Im Dezember 2012 zogen die Ersten von uns in das Atelierhaus in der Mörikestraße 4–12 in Berlin-Baumschulenweg ein. Seitdem ist viel passiert. Einige gingen, andere kamen hinzu und langsam bildete sich eine Gemeinschaft, wie man sie nur noch selten in Berlin findet. Ein Ort des Austausches und der gegenseitigen Unterstützung, ein Ort des konzentrierten Arbeitens und der gemeinschaftlichen Präsentation.

 

2018 dann kam die Kündigung. Das Gebäude sei nicht mehr zeitgemäß, zu ineffizient. Betrachtungssache: Für uns ist das Gebäude äußerst effizient.

 

Wir protestieren. Aber es nutzt alles nicht. Ein um 8 Monate verlängertes Bleiberecht können wir beim Vermieter aushandeln, mehr nicht. Immerhin 8 Monate mehr Zeit etwas Neues zu finden.

 

Etwas Neues finden. In einem Berlin der explodierenden Mieten, nicht nur für Wohnungen, sondern gerade auch für Gewerbemieten, denn Künstlerateliers gelten als Gewerbeflächen, ein unmögliches Unterfangen. Wir wenden uns an die Politik und erhalten viel Unterstützung. Vom Treptow-Köpenicker Baustadtrat Rainer Hölmer zum Beispiel, der nicht in einem Bezirk ohne Künstler leben möchte. Oder von Gregor Gysi, der extra vorbeikommt, um uns zu helfen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber an entscheidender Stelle erfahren wir leider keine Unterstützung:

 

In der Wilhelminenhofstraße 90a steht eine ehemalige Berufsschule leer, droht zu verfallen, schon seit mindestens 11 Jahren. Wir wollen da rein, die gemeinnützige Triodos-Bank im Rücken, die uns unterstützen will. Doch in der Senatskulturverwaltung sagt man, das Gebäude sei bereits für das Atelierprogramm vorgesehen. Wenn wir Bedarf hätten, sollten wir uns jeder einzeln um ein gefördertes Atelier bewerben.

 

Das Atelierprogramm: viel zu wenige geförderte Ateliers, begrenzt auf maximal 8 Jahre. Und wenn man nur etwas zu erfolgreich ist, kann schon nach 2 Jahren wieder Schluss sein. Sieht so Förderung aus? 8670 Künstlern auf Ateliersuche im Jahr 2018 stehen 35 neu entstandene, durch die Senatskulturverwaltung geförderte Ateliers gegenüber. *

 

Wir erarbeiten ein Konzept, das Gebäude selbstständig zu sanieren, Ausstellungsräume zu schaffen – nicht nur für uns – und die überschüssigen Ateliers kostenfrei dem Atelierprogramm des Senats zuzuführen. Eine Win-Win-Situation, denken wir. In der Senatskulturverwaltung winkt man ab. Das Gebäude verfällt weiter.

 

In 3 Monaten müssen wir raus. Der Baum vor unserem Atelierhaus wurde bereits gefällt.

 

*) Quelle: Weißbuch Atelierförderung, Dr. Martin Schwegmann, Berhard Kotowski, Juni 2019, KULTURWERK des bbk berlin GmbH

Wer wir sind

die Künstler im Atelierhaus