• Treptow Ateliers

Offener Brief des Treptow-Ateliers e.V. an Senator Dr. Klaus Lederer

Sehr geehrter Senator für Kultur und Europa Dr. Klaus Lederer,


seit mehr als drei Jahren kämpft unsere Ateliergemeinschaft des Treptow-Ateliers e.V. um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen die Verdrängung aus Berlin. Und seit drei Jahren bitten wir die Senatskulturverwaltung um Hilfestellung.


In dieser Zeit haben wir weit über 70 Objekte auf dem privaten Immobilienmarkt auf Nutzbarkeit für den Treptow-Ateliers e.V. geprüft. Fakt ist jedoch, dass geeignete Flächen entweder viel zu teuer angeboten werden bzw. notwendige Investitionen im Zusammenspiel mit den Mietkonditionen ebenfalls zu hohen Mietkosten führen, die von uns nicht getragen werden können. Das Ihnen vorliegende aktuelle Weißbuch II des Atelierbüros Berlin (Stand August 2021) spiegelt genau diese Situation flächendeckend für Berlin.


Aufgrund dieser angespannten Situation auf dem privaten Immobilienmarkt legten wir Ihnen bereits vor mehr als zwei Jahren ein Konzept zur Nutzung und Instandsetzung des sicherlich seit 15 Jahren leer stehenden landeseigenen Objektes in der Wilhelminenhofstraße 90a vor. Das Konzept stellt die Ertüchtigung von mindestens 25 preisgünstigen Ateliers dar, die zudem teilweise dem Atelierprogramm zur Verfügung stehen sollen. Weiterhin sieht das Konzept einen Kooperationsvertrag mit dem Atelierbüro vor, welcher eine transparente und an nachvollziehbare Kriterien gebundene Vergabe der frei werdenden Ateliers gewährleistet. Des Weiteren ist die Schaffung eines Ausstellungsraumes geplant, welcher niedrigschwellig das Gebäude für die Nachbarschaft öffnet. Die Finanzierung des Umbaus mit Eigenmitteln durch die Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Triodos Bank ist im Konzept stichhaltig beschrieben. Mehrere Vertreter des Bezirks Treptow-Köpenick, der Atelierbeauftragte Dr. Martin Schwegmann, der bbk-berlin, die Finanzpartner sowie Vertreter der Freien Szene Berlins unterstützen nachdrücklich unser Konzept.


Trotz mehrmaliger Anfrage zur Prüfung des Konzeptes erhielten wir letztendlich immer wieder eine Absage unseres gemeinwohlorientierten Konzeptes. Begründet wurde dies von Ihnen wiederholt mit dem Gleichstellungsgrundsatz und daraus schließend mit der Unmöglichkeit einer Vergabe z.B. in Erbpacht des Gebäudes an uns ortsansässige KünstlerInnen. Ihre Aussage ist, dass die Senatskulturverwaltung hier selbst geförderte Ateliers entwickeln wird, die allen KünstlerInnen Berlins zur Verfügung gestellt werden. Bisher gibt es hier jedoch keine transparenten zeitlichen Planungen zur Fertigstellung des Gebäudes vonseiten der Senatskulturverwaltung. Nicht nur, dass Sie damit eine bereits zum jetzigen Zeitpunkt mögliche Nutzung durch uns sowie dem Atelierprogramm verhindert haben, vielmehr sieht sich die Senatskulturverwaltung auch außerstande, uns Möglichkeiten einer Interimsnutzung zur Verfügung zu stellen. Es scheint so, als sähe die Senatskulturverwaltung hier keine Verantwortlichkeit.


Noch brisanter wird es, wenn wir jetzt lesen, dass Walter Smerling mit seinem finanzstarken Bonner Verein „Stiftung für Kunst und Kultur“ eine prestigeträchtige landeseigene Immobilie wie den Hangar 2 und 3 des Tempelhofer Flughafens für zwei Jahre mietfrei plus Finanzierung durch die Stadt zur Verfügung gestellt wird. Wir fragen uns, wie es sein kann, dass ein Bonner Verein fernab vom Gemeinwohl hier ohne Weiteres landeseigene Immobilien zur Verfügung gestellt bekommt, während Berliner KünstlerInnengemeinschaften wie die unsere aus der Stadt verdrängt werden?


Mit ihrem Staatssekretär sitzt die Senatsverwaltung für Kultur und Europa im Aufsichtsrat der Tempelhof Projekt GmbH und so ist Ihr Haus konkret an der Vergabe beteiligt gewesen.


Können wir dieses Vorgehen nun als Paradigmenwechsel betrachten? Ist es nun doch möglich, das seit 15 Jahren leer stehende Gebäude in der Wilhelminenhofstraße 90a an uns als ortsansässige KünstlerInnengemeinschaft auch in Direktvergabe und Erbpacht zu vergeben? Wir vertrauen darauf, dass Ihr propagierter Gleichstellungsgrundsatz für alle gilt.


So fordern wir Sie auf, Ihren proklamierten Grundsatz walten zu lassen und dem Treptow-Ateliers e.V. das schon zu lange leerstehende Gebäude zur Verfügung zu stellen und so die ortsansässigen KünstlerInnen vor der Verdrängung zu bewahren und dem Kiez ein Stück zeitgenössische Kultur zu erhalten.


So fordern wir Sie auf, den Leerstand landeseigener Immobilien stichhaltig und transparent zu prüfen und deren sofortige Nutzung den akut bedrohten Akteuren der Kultur- und Stadtgesellschaft zu ermöglichen.


So fordern wir Sie auf, Ihren Zielstellungen endlich Dienst zu leisten und bestehende Orte der Kultur und Kulturproduktion zu schützen.


Wir fordern konkrete Konzepte zum Erhalt der Berliner Kulturlandschaft mit all ihren Akteuren sowie die Einbeziehung bereits vorhandener Konzepte der freien Szene und keine Hinhaltetaktiken mit dem Verweis auf zukünftige Lösungen.


Das Problem besteht JETZT und es bedarf JETZT einer transparenten und lösungsorientierten Strategie.


Mit freundlichen Grüßen,

die KünstlerInnen des Treptow-Ateliers e.V.

Berlin, den 09.02.2022


Treptow-Ateliers e.V.

Wilhelminenhofstraße 83-85

12437 Berlin



monopol magazine (11.03.2022)

https://www.monopol-magazin.de/atelier-mangel-berlin-treptow-kunsthalle-berlin-senat-du-siehst-den-leerstand-aber-du-kommst-nicht-rein